BRIDGE im Detail

Das Projekt „BRIDGE – Beruf und Bildung in Tunesien: Export deutscher Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen“ setzt an diesem Hebel an. Das Projekt an der Schnittstelle zwischen kulturellen Aspekten, innovativen technischen Unterstützungsmethoden (beispielsweise Web 2.0 und Social Software Plattform) und der Entwicklung eines nachhaltigen Bildungsangebots leistet einerseits einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Bildungsdienstleistungsexports und zweitens einen weiteren Baustein zur Intensivierung von wirtschaftlichen Beziehungen, z.B. den Export von Produkten und Dienstleistungen. Ziel des Gesamtvorhabens ist die fundierte Konzipierung, Umsetzung und Evaluierung eines integrierten und bedarfsgerechten Modells für den Export deutscher Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen nach Tunesien am Beispiel der dortigen Automotive Zuliefererindustrie.

Kernansprüche des Projekts BRIDGE

Im Folgenden werden Kernansprüche an das Projekt BRIDGE dargestellt, die zur erfolgreichen Umsetzung des Projekts maßgeblich sind:

  1. Das Projekt setzt beim Bedarf an Bildungsdienstleistungen auf drei Ebenen am Beispiel der Automotive Zuliefererindustrie in Tunesien an: Facharbeiterbezogene Berufsausbildung, berufsbegleitende Weiterbildung von Fachkräften bzw. berufsbegleitende Weiterbildung von Führungskräften.
  2. Mittel- und langfristig soll über das Projekt das deutsche facharbeiterbezogene Aus- und Weiterbildungskonzept (Duales Ausbildungssystem) in Schwellenländer wie Tunesien exportiert werden.
  3. Gemeinsam mit den Partnern des Projektkonsortiums in Deutschland (Handelshochschule Leipzig, Universität Leipzig, Bildungswerk der Baden-Württembergischen-Wirtschaft e.V., SKZ – ToP gGmbH) wird ein Konzept für die Aus- und Weiterbildung im Schwellenland Tunesien erarbeitet.

Vorhabenbeschreibung – BRIDGE

  1. Gemeinsam mit den Transferpartnern im Partnerland Tunesien (S.A.E.E., MSB, MFPE) wird die Umsetzung in Form der Pilotierung und Evaluierung durchgeführt.
  2. Die Nachhaltigkeit des Projekts in der Berufsausbildung nach deutschem Modell wird durch die Partnerschaft mit dem MFPE erzielt. Die Ergebnisse des Projektes sollen als Basis für ein neues Ausbildungskonzept in Tunesien nach deutschem Modell dienen.
  3. Über das Geschäftsmodell soll die Öffnung des Bildungsmarktes für deutsche Bildungsexporteure auch weit über das Zielland Tunesien hinaus erschlossen werden.

In Summe ermöglicht das Projekt BRIDGE eine bedarfsgerechte und zeitnahe Bereitstellung von Bildungsinhalten, die zunächst in Partnerunternehmen in Tunesien umgesetzt und evaluiert werden. Längerfristig soll der Export von Bildungsdienstleistungen der wirtschaftlichen Entwicklung der Partnerländer zugutekommen und das Ausbildungsniveau und damit die Standortattraktivität des Partnerlandes Tunesien verbessern. Eine erhöhte Standortattraktivität ermöglicht dabei nicht zuletzt deutschen Unternehmen, mit Standorten im Ausland, die Entwicklung von (lokalen) Wettbewerbsvorteilen mit positivem Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands.

Analyse vor Ort

Bereits im Januar 2013 traf sich das BRIDGE-Projektkonsortium – bestehend aus HHL – Leipzig Graduate School of Management, Universität Leipzig Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft e.V. und SKZ ToP GmbH – beim tunesischen Transferpartner Marquardt Tunis in La Soukra, Tunesien. Das Projektteam erhielt durch eine Betriebsführung bei Marquardt Tunesien einen ausführlichen Überblick über die Fertigung und Gegebenheiten vor Ort,.

Die ersten Arbeitspakete des Bridge-Projektes beschäftigen sich mit der Anforderungs- und Bedarfsanalyse der Aus- und Weiterbildungssituation zum einen bei Marquardt Tunesien und zum anderen mit dem tunesischen Markt im Allgemeinen. Zur Ermittlung des Aus- und Weiterbildungsbedarfs bei Marquardt Tunesien wählte das Bridge-Projektteam folgendes methodisches Vorgehen:

  • Durchführung von Expertengesprächen mit allen Führungskräften basierend auf einem standardisierten Interview-Leitfaden
  • Durchführung eines Gruppengesprächs mit den Auszubildenden
  • Durchführung einer quantitativen Befragung auf Fach-/Vorarbeiterebene

Insgesamt 13 Interviews wurden mit den Führungskräften sowie das Azubi Gruppengespräch aufgenommen und anschließend transkribiert, sodass diese Daten mittels einer Inhaltsanalyse auswertbar sind. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass viele Führungskräfte einen deutschen Hochschulabschluss haben und somit keine Kommunikationsprobleme bestanden. Neben den qualitativen Erhebungen konnten insbesondere die SKZ ToP GmbH und das Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft e.V. durch eine Prozessanalyse, exemplarisch am Beispiel der Kunststofffertigung, Abteilung Spritzgießerei einen guten Einblick in den Ablauf des Produktionsprozesses erlangen. Der Fragebogen für die quantitative Mitarbeiter-Befragung wurde während des Tunesien-Aufenthalts zusammen mit Marquart Tunesien, der Universität Leipzig und der HHL erarbeitet, sodass die Fragebögen im März 2013 verteilt werden konnten.

Das BRIDGE-Projektteam hat eine außerordentlich dynamische Stimmung bei Marquardt Tunesien wahrgenommen. Die Motivation, sich mit seiner Abteilung weiterzuentwickeln, war deutlich spürbar – für das Projektteam eine weitere Bestärkung, das Vorhaben voranzutreiben.

Als nächste Projektschritte wurden erste Pilotschulungen seitens Bildungswerk und SKZ bei Marquardt Tunis im Sommer 2013 vereinbart. Die Praxispartner werden außerdem Module zur Weiterbildung konzipieren und die beiden Hochschulen konzentrieren sich auf die Übertragbarkeit dieser Konzepte auf den tunesischen Markt am Beispiel Marquardt. Dabei sollen auch die Ergebnisse der Befragungen über die Akzeptanz des Onlinelernens berücksichtigt werden.
BRIDGE Gruppenfoto

Über BRIDGE

Das Projekt „BRIDGE – Beruf und Bildung in Tunesien: Export deutscher Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen“ setzt am bestehenden Weiterbildungsbedarf bei Auszubildenden, Facharbeitern und Führungskräften in der tunesischen Automotive Zuliefererindustrie an. Das Land Tunesien spielt durch seine geografische Nähe zu Europa und die vergleichsweise hohe Produktivität innerhalb der Maghreb-Region als Produktionsstandort eine wichtige Rolle für die deutsche Wirtschaft. Trotz eines vergleichsweise hohen Bildungsniveaus stellen in Tunesien produzierende Unternehmen ernstzunehmende Qualitätsunterschiede in der Facharbeiterausbildung im Vergleich zu Deutschland fest. Diese Herausforderung greift das Forschungs- und Entwicklungsprojekt BRIDGE auf. Für den Transfer von deutschen Bildungsdienstleistungen soll durch die Konzipierung & Umsetzung von Präsenzveranstaltungen, Selbstlernen und Bildung als Remote Service eine Brücke zwischen den Anforderungen und Bedürfnissen der deutschen Wirtschaft und der tunesischen Industrie geschlagen werden.

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